Presseberichte

Marburger Neue Zeitung vom 29.1.2005:

Erinnerung an Opfer der Nazi-Verbrechen
Kirchen stellen sich ihrer Mitverantwortung

Marburg. (bia). Anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz sprach in Marburg Dr. Hans Hermann Henrix, Direktor der Bischöflichen Akademie des Bistums Aachen, über das Thema "Die Neuzeit und der Weg zur Schoah — Die Frage nach der Mitverantwortung von Christen und Kirchen" (Anmerkung: Shoah ist das hebräische Wort für den Völkermord an den europäischen Juden). Leider viel zu wenig Interessierte erschienen zu der Veranstaltung im Historischen Saal des Rathauses. Oberbürgermeister Dietrich Möller (CDU) begrüßte die etwa 30 Gäste und betonte, dass Marburg eine Stadt sei, die das, was in der Geschichte passiert ist, nicht vergisst oder verdrängt, sondern versucht, daraus zu lernen. Der Gedenktag solle deswegen auch zum Nachdenken genutzt werden, damit die Welt ein bisschen friedlicher wird.

Dr. Klaus Dorn, Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Marburg, stellte den Referenten Dr. Henrix vor, der vor allen Dingen in Fragen des christlich-jüdischen Verhältnisses in Geschichte und Gegenwart ein bewanderter Experte ist. Das Wort "Holocaust", das für die schrecklichen Gräueltaten der Nationalsozialisten unter Adolf Hitler steht, wird vor allem in der Fachsprache mehr und mehr von dem Wort "Schoah" abgelöst, das Verwüstung, Katastrophe bedeutet.

Kein Widerstand gegen Judenverfolgung

Dr. Hans Hermann Henrix ging in seinem Vortrag vorwiegend der Frage nach, warum die Kirche, sowohl die katholische als auch die evangelische, in der Zeit des Nationalsozialismus nicht eingegriffen und die Judenverfolgung nicht öffentlich angeprangert hat.

Er stellte dar, wie die Kirchen in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Mitschuld an der Tragödie erkannt und eingestanden haben und wie die katholische Kirche mit Papst Johannes Paul II. seit einiger Zeit versucht, ein neues tolerantes und solidarisches Verhältnis zwischen Christen und Juden aufzubauen. Er betonte, dass die Ansätze des amtierenden Papstes unbedingt aufgegriffen und stark gemacht werden müssten, um ein dauerhaft friedliches Zusammenleben der unterschiedlichen Religionen zu ermöglichen.