Rückschau

Am 14.3.2004, zum Auftakt der Woche der Brüderlichkeit, wurde im Kurtheater von Bad Nauheim dem israelischen Dirigenten Daniel Barenboim die Buber-Rosenzweig-Medaille des Deutschen Koordinierungsrats der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit verliehen. Der Generaldirektor der Berliner Staatsoper erhielt die Auszeichnung für seine Verdienste um die Aussöhnung unter Christen, Juden und Arabern. Besonders gelobt und beachtet wurde bei der Auszeichnung ein Projekt in Weimar, bei dem er junge Musiker aus der arabischen Welt, aus Israel und aus christlichen Ländern zusammenführte. Über die Musik ließ er die jungen Menschen miteinander in Kontakt treten. "Trotz der Ressentiments zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn hat Daniel Barenboim einen wichtigen Dialog begonnen", hob der hessische Ministerpräsident bei seiner Eröffnungsrede hervor.

In der die Medaille begleitenden Urkunde heißt es:
In einer gefährdeten und gefährlichen Welt hat Daniel Barenboim sich eindringlich dafür eingesetzt, Spannungen und Freundschaften unter Völkern und Religionen, insbesondere zwischen Juden und Arabern, Israelis und Palästinensern abzubauen und friedliche Nachbarschaft aufzubauen.
Als Musiker aus Passion, als begeisternder Dirigent und mitreißender Pianist hat er es verstanden, Menschen unterschiedlicher Herkunft und Prägung zusammenzuführen, das Zusammenspiel der Instrumente - als Lektion in Demokratie - erfahrbar zu machen und die Klangwelt der Töne als Mittel der Verständigung der Völker und Kulturen laut werden zu lassen. Seine Aufrufe zu freiem Denken und verantwortlichem Handeln stehen in der Tradition Baruch Spinozas, Martin Bubers und Franz Rosenzweigs. Sie sind Provokationen, verpflichtet dem Geiste der Aufklärung, des Dialogs und der Versöhnung.


Daniel Barenboim stammt aus einer jüdisch-argentinischen Familie und wurde 1942 in Buenos Aires (Argentinien) geboren und ging zehn Jahre später mit seiner Familie nach Israel. 1967 debütierte Barenboim als Dirigent. Seit 1992 ist er Generalmusikdirektor der Deutschen Staatsoper in Berlin. Außerdem leitet er das Chicago Symphonie Orchestra. Großes Aufsehen erregte ein Konzert am 7. Juli 2001 in Jerusalem, bei dem Barenboim zum ersten Mal in Israel öffentlich Musik von Richard Wagner spielte.

Die seit 1968 jährlich vom Deutschen Koordinierungsrat der 79 Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit verliehene Medaille erinnert an die deutschen jüdischen Philosophen Martin Buber (1878-1965) und Franz Rosenzweig (1886-1929). Zu den Trägern gehören unter anderem Bundespräsident Johannes Rau, Altbundespräsident Richard von Weizsäcker und Außenminister Joschka Fischer.

Bei der Veranstaltung in Bad Nauheim sprachen der Ministerpräsident des Landes Hessen, Roland Koch, der Bürgermeister der Stadt Bad Nauheim, Bernd Rohde, und der evangelische Präsident des deutschen Koordinierungsrates, Professor Dr. Berndt Schaller. Die Laudatio hielt Jobst Plog, der Vorsitzende der ARD. Im Anschluss an die Medaillenverleihung ergriff auch Herr Daniel Barenboim selbst das Wort.
Die Veranstaltung wurde vom Chor des Lioba Gymnasiums umrahmt. Besondere Beachtung fanden die Zwillingsbrüder Jerome und Aaron Weiss von der Musikschule Bad Nauheim, die sich mit mehreren hervorragend interpretierten Klavierstücken präsentierten.

Von unserer Gesellschaft fuhren einige Mitglieder sowie 5 Vorstandsmitglieder nach Bad Nauheim und nahmen an unterschiedlichen Veranstaltungen teil.

Am 15.03.04 hielt Herr Dr. Ansgar Koschel aus Limburg um 19.30 Uhr den Eröffnungsvortrag zur Woche der Brüderlichkeit in Marburg. Herr Dr. Koschel, der ehemalige Geschäftsführer des Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und jetzigem Leiter der Rhabanus-Maurus-Akademie/ Limburg referierte im historischen Rathhaussaal zum Jahresthema :" Ich, Du, Wir ". Er überraschte die wenigen Zuhörer damit, dieses Thema in einer sehr philosophischen Art und Weise anzugehen. Bedauerlicherweise hatte die Oberhessische Presse im Vorfeld unsere Informationen und Hinweise nicht abgedruckt, so dass der Vortrag erschreckend schlecht besucht war.