Rückschau:
Jahresbericht 2005




Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember



Januar
 
Am 17. Januar 2005 fand im Philippshaus eine Autorenlesung statt. Christine Rospert führte unter dem Thema“ Meine Metaphern sind meine Wunden“ an neu zu entdeckende poetische Texte der Nelly Sachs heran.
 
Am 24. Januar gab es eine Autorenlesung mit Lichtbildern zum Thema: „Lob der Schöpfung“. Schmetterlinge in Bildern und Gedichten von Wolfgang Dietrich.
Die Veranstaltung fand im Gemeindehaus St. Peter und Paul statt und war verbunden mit einem kleinen Neujahrsumtrunk.
 
Am 27. Januar 2005, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, fand um 18.00 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst statt. In diesem sehr eindrucksvollen Gottesdienst, den viele Jugendliche aus Marburger Gymnasien mitgestaltet hatten, wurden die Namen der deportierten Marburger Juden verlesen und für jeden von ihnen eine Kerze entzündet.
 
Im Anschluß an den Gottesdienst lud der Magistrat der Stadt Marburg in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Christlich – Jüdische Zusammenarbeit zu einem Vortrag mit anschließendem Gespräch ein. Herr Dr. Hans Hermann Henrix, Direktor der Bischöflichen Akademie des Bistums Aachen, sprach zum Thema: „ Die Neuzeit und der Weg zur Schoa. Die Mitverantwortung von Christen und Kirche.“

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Februar
 
Am Montag, 7.Februar 2005 präsentierte der „Lesekreis“ eine Veranstaltung zum Thema: Jacques Offenbach – der „Heine der Musik“
Referent war Professor Hermann Hofer, Marburg der den 1819 in Köln geborenen Opernkomponisten Jacques Offenbach (Jakob Eberst, Sohn eines aus Offenbach am Main stammenden jüdischen Kantors) vorstellte.
Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Deutsch–Französischen Gesellschaft Marburg statt.

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März
 
Am 7. März hielt Herr Rudolf W. Sirsch M. A., Generalsekretär des Deutschen Koordinierungsrats, den Einführungsvortrag anlässlich der diesjährigen Woche der Brüderlichkeit. Herr Sirsch sprach zum Thema: „ Gegen das Vergessen – Zur Aufarbeitung der Vergangenheit in Schule und Gesellschaft“. Sirsch betonte die Notwendigkeit herauszufinden, woraus die Abneigung und Ablehnung andersgläubiger Menschen resultiert. Nur so könne deutlich werden, warum die deutsche Bevölkerung nach 1945 immer noch Mühe habe, die Tragweite des Vergangenen und die eigene Verantwortung am Geschehenen zu erfassen. Auch ein großer Teil der Lehrer und Erzieher sei nicht über alte Ressentiments und den täglichen Antisemitismus hinweggekommen und habe die Schüler beeinflusst. Er betonte die Notwendigkeit eines neuen Unterrichtsstils angesichts der multikulturellen Zusammensetzung an unseren Schulen. Es dürfe nicht nur die Wissensvermittlung im Vordergrund stehen, sondern auch der verantwortungsvolle Umgang miteinander und das Erlernen von Konfliktstrategien. Herr Sirsch wies auf die von ihm entwickelte Tagungsreihe zum Thema „ Gegen Gewalt und Rassismus – Für Zivilcourage bei Kindern und Jugendlichen“ hin. Die mehr als 20 stattgefundenen Tagungen zu diesem Thema hätten Schülern und Lehrern die Möglichkeit gegeben, herauszufinden, wie ein Klima der Akzeptanz entstehen könne, in den Fremdenfeindlich-keit keine Chance habe. 
 
 
Am Samstag, den 12. März unternahm eine Gruppe von Mitgliedern eine Tagestour nach Speyer in das Historische Museum der Pfalz, um die Ausstellung „Europas Juden im Mittelalter“ zu besuchen. Die Sonderausstellung wurde anlässlich der Weihe der mittelalterlichen Synagoge von Speyer vor 900 Jahren präsentiert. Die Ruine der Synagoge mit ihrem erhaltenen Ritualbad (Mikwe) gehört zu den ältesten jüdischen Baudenkmälern in Europa.
Auf einer Fläche von rund 1000 Quadratmetern nahm die Ausstellung das mittelalterliche Judentum in seinen beiden Zentren am Rhein und auf der iberischen Halbinsel in den Blick. Die Reiseteilnehmer konnten sich an einer ausgezeichnet präsentierten, äußerst interessanten Ausstellung erfreuen. Wir wurden durch engagierte und kompetente Museumsführerinnen begleitet und bekamen ein breites Spektrum an wertvollen und seltenen Exponaten zu sehen, von denen einige noch nie ausgestellt worden waren. Mehr als 300 kostbare Objekte von über 80 Leihgebern aus Europa und Israel wurden wirkungsvoll in Szene gesetzt. So sahen wir unter anderem reich illustrierte hebräische Handschriften, bedeutende Kultgegen-stände oder einzigartige Schatzfunde wie den Silberschatz aus Erfurt. Auf der Grundlage neuester Forschungsergebnisse wurde eine 3 D- Rekonstruktion der mittelalterlichen Synagoge von Speyer präsentiert.
Nachdem sich jeder im Museum noch ein wenig selbst umgesehen hatte, blieb  Zeit dem nebenan gelegenen Dom einen Besuch abzustatten oder zu Mittag zu essen. Nach dem anregenden Ausflug nach Speyer kehrten wir zufrieden am Spätnachmittag wieder nach Marburg zurück.
 
An der Eröffnungsveranstaltung der diesjährigen Woche der Brüderlichkeit in Erfurt konnte in diesem Jahr keiner der Vorstandsmitglieder teilnehmen.
 
Montag, 14. März und Sonntag, 29. Mai 2005
 
veranstaltete der „Lesekreis“ eine Lesung und Besichtigung mit Dr. Barbara Rumpf zum Thema: „Die Marburger Fragmente der mittelhochdeutschen Verslegende vom Leben der Hl. Elisabeth“. Die aus dem Anfang des 14. Jahrhundert stammende Legende lässt die ersten Monate Elisabeths in Marburg – nach Verlassen der Wartburg –lebendig werden.
 
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April
 
Am 6. April 2005 fand die diesjährige Mitgliederversammlung statt. Erfreulicherweise hatten sich einige Mitglieder mehr eingefunden als im Jahr 2004. Trotzdem wären ein paar mehr schon wünschenswert gewesen. Vielleicht könnte man sich ja diesen Termin für das Jahr 2006 vornehmen.
 
Vom 14. – 16. April 2005 nahm eine größere Gruppe von Mitgliedern an der Reise der Jüdischen Gemeinde nach Amsterdam teil. Das Programm war interessant und vielfältig.
 
Für den Tanzworkshop, der von Frau Küpfer angeboten wurde, hatten sich leider zu wenige Teilnehmer angemeldet, so dass sie die Veranstaltung, auch wegen eigener Erkrankung, ausfallen lassen mußte.
Wir fanden das sehr schade, denn Frau Küpfer versteht es hervorragend, die Tänze zu vermitteln und Jung und Alt mitzureissen. Wir werden versuchen sie zu einem anderen Zeitpunkt noch einmal für diese Veranstaltung zu gewinnen.
 
Montag, 18. April 2005
Die April–Lesung befasste sich mit Vladimir Kaminer: „Ich mache mir Sorgen, Mama“. Die Kaminer–Expertin Frau Christiane Niemann stellte den neuesten Band des Berliner Bestseller–Autors vor.
 
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Mai


Am Montag, 9. Mai 2005 war das Thema des Lesekreises: „Leibniz und die Juden“. Der Referent, Dr. Hartmut Rudolph, Leiter der Leibniz–Edition der Berliner Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, hat den bislang kaum untersuchten Aspekt nach dem christlichen Antijudaismus auf traditioneller Linie allgemein, sowie speziell nach der Position von Gottfried Wilhelm Leibnitz (1646 – 1716) im Hinblick auf den expliziten Antijudaismus seiner Zeit ins allgemeine Interesse gerückt. Diese Lesung fand in Kooperation mit dem Fachbereich Evangelische Theologie der Philipps-Universität Marburg statt.
 
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Juni
 
Von 3.-4. Juni 2005 nahm unser Vorstandsmitglied und Leiterin des „Lesekreises“ Frau Dr. Rosemarie  Dilg- Frank an einer Studientagung in Bonn teil. Das Wochenende stand unter dem Thema: „Zukunft braucht Erinnerung – 60 Jahre danach“ und beinhaltete eine Reihe interessanter Vorträge, Diskussionen und Workshops.
Unter folgenden Aspekten wurde diskutiert z.B.: Welche Formen der Erinnerung sind zukunftsweisend? Was ist öffentliches, was privates Gedenken? Wie ist die Erinnerung im gesellschaftlichen Wandel zu erhalten?
Ein herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle ausdrücklich an Frau Dr. Dilg, die unsere Gesellschaft auch in diesem Jahr in Bonn vertreten hat und rege den „Lesekreis“ betreut.
 
Am Sonntag, den 5.6.05 stand ein Ausflug zum Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) in Stadtallendorf auf dem Programm. Eine Gruppe interessierter Mitglieder hatte sich zusammengefunden, um dem Vortrag von Herrn Brinkmann – Frisch, dem Leiter des DIZ, zu folgen. Äußerst kompetent referierte er, unterstützt von einer interessant zusammengestellten Power – Point – Präsentation, über das Schicksal der Menschen, die in der Stadtallendorfer Sprengstofffabrik Zwangsarbeit leisten mussten.  Wir sahen ein-drucksvolle Fotographien, Landkarten und erfuhren von Schicksalen einzelner Zwangsarbeiter. Insgesamt war dies, nach einhelliger Meinung aller Teilnehmer, ein äußerst informativer und zum Nachdenken anregender Nachmittag.
 
Die Juni-Lesung am Montag, 6. Juni 2005 befasste sich mit der Publikation von Angelika Schrobsdorff: „Wenn ich dich je vergesse, oh Jerusalem…“
Vom Spannungsfeld des Lebens in der „kompliziertesten Stadt der Welt“ berichtet die Autorin in ihrem neuesten Jerusalemband in Form einer Liebeserklärung. Vorgetragen wurden die Auszüge von der Schauspielerin Charlotte von Sachsen aus Marburg. Die Veranstaltung wurde durch die Freie Waldorf–Schule musikalisch umrahmt. Diese Veranstaltung wurde zusammen mit dem Arbeitskreis Landsynagoge Roth durchgeführt und fand in der Landsynagoge in Roth statt.
 
Am Wochenende 18. / 19.Juni 2005 fand der erste einer ganzen Reihe geplanter Malworkshops statt. Unter der Leitung des flämischen Künstlers Jan M. Dondeyne wurden die Malfreudigen angeleitet, den `Farben des Sommers` auf die Spur zu kommen. In anregender, entspannter Atmosphäre arbeitete fast jeder nach mitgebrachten Vorlagen. Ein Teilnehmer, der über einige Übung verfügt, malte ein abstraktes Bild. Der Schulungsraum des neuen Kulturzentrums wurde mit dieser Veranstaltung das erste Mal in der Öffentlichkeit bekannt gemacht. Die Räume erwiesen sich als ideal für diesen Zweck, jeder hatte ausreichend Platz. Der Workshop war ein voller Erfolg, so dass der Wunsch nach baldiger Wiederholung laut wurde. Deshalb fand der nächste Kurs dieser Reihe auch schon wenige Monate später, am 1./.2. Oktober 2005 statt. Er stand unter dem Motto: „ Marburger Ansichten“ Wir freuen uns, dass Herr Dondeyne sich bereit erklärt hat, etwa alle 4 Monate einen Kurs zu leiten.
 
 
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Juli
 
Am Montag, 4.Juli 2005, veranstaltete der „Lesekreis“ einen Vortrag zum Thema: „Biblische Rechtfertigung der Apothekerkunst. Der Ärzte-Fries in Lemgo.“ Unter Berufung auf Jesus Sirach wird auf diesem Fries der Rats-Apotheke in Lemgo (1612) die Kunst des Apothekers bildlich gerechtfertigt.
Referent war Professor Fritz Kraft, Weimar/Lahn, der zwei seiner Publikationen zum Thema vorstellte.
 
Am Sonntag, 17. Juli 2005, lud der Lesekreis zu einem Stadtspaziergang auf jüdischen Spuren in Marburg. Von entsprechenden bildlichen Darstellungen in der Elisabethkirche ausgehend führte der Weg unter Leitung des bekannten Stadtführers und Heimatforschers Dieter Woischke durch die Oberstadt.
 
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August
 
Am Sonntag, den 21.8,05 stand ein Ausflug nach Frankfurt auf dem Programm. Zunächst gab es einen Besuch in der Westendsynagoge mit sehr kompetenter und liebenswürdiger Führung von Herrn Horowitz durch die eindrucksvolle Synagoge. Jede Frage wurde geduldig und freundlich beantwortet.
Danach fuhren wir zum Jüdischen Museum und wurden dort von einem Führer durch die interessante Sammlung begleitet.
Zum Abschluss des Tages kehrten wir in Sachsenhausen in einem typisch Frankfurter Äppelwoilokal ein und probierten lokale Spezialitäten.
Ein Auszug aus der Rückmeldung eines Teilnehmers:
Lieber Herr Dorn!
Die Fahrt nach Frankfurt war eine lohnende Sache, für die Ihrer Frau und Ihnen ein herzlicher Dank gebührt…..Der Höhepunkt war natürlich die engagierte Einführung ins jüdische Leben durch den kleinen Herrn in der Synagoge. Auch ihn könnte man gut noch öfter erleben! Auch das Essen in Sachsenhausen war eine gute Sache, auch, dass man einigermaßen zeitig wieder nach Hause kam!...


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September
 
Eine Veranstaltung des Lesekreises am Sonntag, 11. September 2005 befaßte sich mit dem Thema: Das blaue Haus oder „Die Farben des verlorenen Paradieses“. Roman – Biographie zu Marc Chagall von Barbara Krause. Der Vortrag wurde von der Schauspielerin Charlotte von Sachsen dargeboten und von Schülerinnen und Schülern der Freien Waldorfschule musikalisch umrahmt.
Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Freundes- und Förderkreis `Ehemalige Synagoge` in Wetter statt.
 
Am Montag, 26. September 2005 fand eine weitere Veranstaltung des „Lesekreises“ statt. Es handelte sich um eine Autorenlesung und Autorengespräch mit Jan Jakubowski, Stuttgart statt zum Thema „Mein Überlebenskampf mit Beteiligung des Himmels“
 
Am Dienstag, 27. September 2005, sprach Herr Jakubowski vor Schülern der Elisabethschule zum Thema: „Mein Lebensbericht für die Nachkommen“
Hierzu liegt ein Kommentar der Klasse 11e der Elisabethschule vor, der von Khadija Khalil verfasst wurde:
 
„Ein Blick zurück. Eigentlich begann dieser Tag wie jeder andere: Erst Sprachkenntniserweiterung in Englisch, dann Polynomdiskussion in Mathe. Nach der großen Pause eine Doppelstunde in Deutsch. Alle warten. Doch die Lehrerin ist spät, sehr spät. Sie erscheint, nur mit einem Buch bei sich: ’Mein Überlebenskampf mit Beteiligung des Himmels’ stand mit weißen Buchstaben auf dem grauen Umschlag. Eine neue Lektüre? Nein.
‚Die Schulleitung hat einen ‚Zeitzeugen’ eingeladen. Ihr wisst, ein Zeuge aus der Zeit des Holocaust. Ich dachte, es wäre interessant für euch, diesen Mann über seine Erlebnisse zu befragen.’ Zustimmendes Gemurmel, aber sofort geht ein Raunen durch die Klasse, als das Wort ‚Holocaust’ fällt.
Holocaust – Vernichtung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft und Religion. Holocaust – Eine Reise ins ‚Dritte Reich’.
Als Jan Jakubowski mit seiner Frau und einer Begleitung endlich kam, war die Spannung, die sich unter den Schülern ausgebreitet hatte, beinahe greifbar. Melancholie empfing den alten, zerbrechlich wirkenden Herrn, als er seine Worte an uns richtete. Ist es gut, zurück zu schauen? Ist der Mann überhaupt im Stande, unsere Fragen zu beantworten? Jan Jakubowski beginnt aus seiner Autobiografie ‚Mein Überlebenskampf’ vorzulesen. Er stellt zunächst sich und seine Familie, ihr soziales Umfeld und die politische Situation in seinem Heimatland Polen vor. Später berichtet er von Deportationen der Juden, von der Befreiung seiner Freundin und Erlebnissen im Arbeitslager. Dass er fliehen konnte ohne entdeckt zu werden, war ein Wunder. Dass er aus dem Zug, der Juden nach Auschwitz brachte, herausspringen konnte, ohne sich zu verletzen, ein Geschenk des Himmels. Er erzählt weiter von seinen Eindrücken, Erlebnissen, seinem Zweifel an der Menschheit und den Zeiten, als er nichts besaß außer seinem Glauben. Seinen Schülern ist es, als würden sie alles miterleben, was dieser Mann berichtet.
Es klingelt. Fröhliches Gelächter dringt von draußen in die totenstille Klasse. Ein Vogel zwitschert am Fenster. Aber keiner bemerkt ihn. Alle starren gebannt nach vorne auf den Mann, der die Vergangenheit reflektiert wie ein Spiegel. Die Wahrheit ist erstickend wie Rauch. Jan Jakubowski schließt sein Buch; zögernd, beinahe vorsichtig stellen Schüler ihre Fragen. Er bleibt keinem eine Antwort schuldig. Aber wie hat er es geschafft, in Zeiten der Ermordung, der Versklavung und der Ausbeutung, einen klaren Kopf zu behalten, seine Ziele nicht zu vergessen? ‚Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich? Und wenn ich für mich allein bin, was bin ich? Und wenn nicht jetzt, wann denn?’ Dieser Spruch des Rabbi Hillel leitete ihn sein ganzes Leben und bewahrte ihn davor, in dem endlosen Tunnel der Hoffnungslosigkeit zu versinken.
Wir alle haben die Thematik des Antijudaismus in der Schule analysiert. Jedem Schüler wurde die Vergangenheit offenbart, aber die Eindrücke, die uns didaktisch beigebracht wurden, sind nichts im Vergleich zu denen, die uns ein Überlebender nahe brachte.“

Khadija Khalil, 11e
 
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Oktober
Am ersten Wochenende im Oktober fand der 2. Malkurs unter der Leitung von Herrn Jan. M. Dondeyne statt. Unter dem Thema „Marburger Ansichten“ versuchte man, je nach Kenntnisstand, unsere schöne Stadt darzustellen. Dabei entstanden sehenswerte Bilder. Der Kurs wird im Februar 2006 fortgesetzt.
 
Am Montag, 10. Oktober, fand die Veranstaltung des Lesekreises für diesen Monat statt. Thema war: „Erzähltraditionen und Märchen der Sinti und Roma“.
Die Marburger Historikerin und Kommunalpolitikerin Frau Dr. Marlis Sewerin–Wollanek führte in die kulturelle Tradition der Sinti und Roma ein. Die anschließende Lesung hielt Reinhold Lagrene, Heidelberg, der seit vielen Jahren die Märchen seines Volkes sammelt und bewahrt.
 
Am 20.10.2005 fand in den Unterrichtsräumen des jüdischen Kulturzentrums eine sehr gut besuchte Veranstaltung zum Thema `Kopftuch – Schleier` statt. Evangelische und katholische Ordensfrauen, sowie zwei muslimische Frauen, eine Kopftuch-trägerin, die andere nicht, diskutierten miteinander. Dabei sollte es um die ganz persönliche Motivation jeder einzelnen Frau gehen und weniger um politisch – gesellschaftliche Gründe. Dass dies nur sehr schwer auseinander zuhalten ist, wurde im Lauf der Diskussion deutlich.
Die Veranstaltung stieß auf äußerst großes Interesse. Mit über 60 Besuchern war der Unterrichtsraum überfüllt und allgemein wurde eine Fortführung der Thematik unter Einschluß der politischen Dimension gewünscht.
 
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November
 
Am Montag, den 7. November 2005  widmete sich der Lesekreis der GCJZ in ihrer November-Lesung dem Autor Amos Oz.  Herr Altbischof Dr. Christian Zippert las aus: „ Eine Geschichte aus Liebe und Finsternis“
Amos Oz, einer der bedeutendsten Autoren der Gegenwart, schildert darin die Geschichte seiner Familie in den letzten 150 Jahren.
Diese Veranstaltung fand in Kooperation mit philoSophia Hessen statt.
 
 
Am 9. November fanden sich Mitglieder des Magistrats und der Oberbürgermeister Vaupel Mitglieder der Gesellschaft, sowie zahlreiche Marburger Bürger, zur alljährlichen Gedenkfeier der Progromnacht am Gedenkstein in der Universitätsstrasse zusammen. Im Anschluss daran gab es in der Synagoge ein eindrucksvolles Konzert der Geschwister Levitan aus Israel. Die beiden hatten ein Programm mit Werken jüdischer Komponisten zusammengestellt und brachten Stücke von Mendelssohn, Bloch, Bruch, Partos, Kreisler u.a. professionell zum Vortrag. Die Geschwister wurden erst nach Zugaben vom begeisterten Publikum entlassen. 
 
Ende November, vom 25. – 26. November wurde das neue Jüdische Kulturzentrum mit Synagoge feierlich eingeweiht. Es waren sehr besondere Tage, die allen Beteiligten lange im Gedächtnis bleiben werden. Genauere Informationen haben Sie sicher aus der Presse bzw. dem Fernsehen bekommen. Verschiedene Mitglieder der Gesellschaft waren an allen drei Tagen der Eröffnungsfeierlichkeiten anwesend.
Die diesjährigen Besuchertage wurden aus diesem Anlass auch auf dieses Datum gelegt. Es hatten sich ursprünglich fünf Gäste angemeldet, leider musste das Ehepaar Brand aus USA krankheitsbedingt absagen, so dass sich nur drei Personen an unserem kurzen Programm beteiligen konnten. Am Mittwoch, den 23.11.05, fand im Rathaus der Empfang des Oberbürgermeisters statt. Herr Vaupel begrüßte die wenigen Gäste, Herrn Goldschmitt aus Israel und Herrn King aus Brüssel, Frau Feibel war leider auch erkrankt. Daran im Anschlußss fand ein gemütliches Beisammensein mit Abendessen statt. Am Donnerstag Morgen bestand die Möglichkeit des Friedhofbesuchs und am Nachmittag lud Frau Kümmel die Gäste zum Kaffee ins Cafe Klingelhöfer ein. Am Freitag Morgen fiel der geplante Ausflug auf Einladung des Landkreises den Witterungsverhältnissen zum Opfer. Wegen des starken Schneefalls mit entsprechenden Strassenverhältnissen verzichteten wir auf diesen immer sehr beliebten und gut geplanten Ausflug. Am Nachmittag um 15.00 Uhr begannen dann die Feierlichkeiten zur Eröffnung des Hauses.
 
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Dezember
Am Montag, den 5. 12.05 gab es einen Vortrag von Herrn Dr. Klaus Dorn zum Thema. „ Jüdische Bräuche – Christliche Feste“. Da nicht alle Aspekte zur Sprache gebracht werden konnten, baten die zahlreichen Teilnehmer um eine Fortsetzung in 2006. Diese wird im Juli stattfinden.
 
Am Montag, den 12.12.05 fand der erste einer Reihe von christlich – jüdischer Bibelgespräche statt. Herr Amnon Orbach und Herr Bischof em. Dr. Christian Zippert sprachen zu Jesaia 40,1 – 8. Viele Interessierte hatten sich eingefunden um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Im Jahr 2006 wird die Reihe fortgesetzt.
 
Verschiedenes:
 
Ein herzliches Dankeschön geht an Frau Gerda Geiß, die lange Jahre im Vorstand unserer Gesellschaft gearbeitet hat. Sie feierte am 1.März 2005 ihren 90. Geburtstag und hat hierbei auf persönliche Geschenke verzichtet und statt dessen um Geldspenden gebeten, unter anderem für die Gesellschaft für Christliche – Zusammenarbeit. Wir bekamen 225,- EURO überwiesen und bedanken uns ganz herzlich für diese noble Geste!
 
 
Es gibt leider auch traurige Nachrichten zu vermelden:
 
Im März 2005 verstarb Frau Sophie King aus Brüssel. Die ehemalige Marburgerin, die vielen von uns bekannt sein dürfte, war treues Mitglied unserer Gesellschaft und nahm jedes Jahr, solange es in ihren Kräften stand, an unseren Besucherwochen teil. Manchmal kam sie mit ihrem Mann auch darüber hinaus noch nach Marburg. Unser Mitgefühl gilt ihrem Mann Geoffrey und ihrer Familie.
Wir werden sie gerne in Erinnerung behalten.
 
Hinweis des Deutschen Koordinierungsrats:
Zu den antiisraelischen Äußerungen des iranischen Präsidenten
Die erneut gegen den Staat Israel gerichteten, mit typisch antisemitischen Ausfällen versehenen Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad sind mehr als rhetorische Entgleisungen, sie sind Ausdruck einer abgründig feindseligen Haltung gegenüber dem Staat Israel und dem jüdischen Volk und lassen für die Zukunft das Schlimmste befürchten. Die dagegen von der Bundesregierung erhobenen Proteste können, so nötig und begrüßenswert sie sind – nur ein erster Schritt sein. Ihnen müssen tatkräftige Gegenmaßnahmen folgen.

Präsidium und Vorstand des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich – jüdische Zusammenarbeit (DKR)
Bad Nauheim, 9.Dezember 2005

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