Rückschau:
Jahresbericht 2005
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Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember
Januar
Am 17. Januar 2005
fand im Philippshaus eine Autorenlesung statt. Christine Rospert führte
unter
dem Thema“ Meine Metaphern sind meine Wunden“ an neu zu entdeckende
poetische
Texte der Nelly Sachs heran.
Am 24. Januar gab es eine
Autorenlesung mit Lichtbildern zum Thema: „Lob der Schöpfung“.
Schmetterlinge
in Bildern und Gedichten von Wolfgang Dietrich.
Die Veranstaltung fand
im Gemeindehaus St. Peter und Paul statt und war verbunden mit einem
kleinen
Neujahrsumtrunk.
Am 27. Januar 2005,
dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, fand um 18.00 Uhr
ein
ökumenischer Gottesdienst statt. In diesem sehr eindrucksvollen
Gottesdienst, den viele Jugendliche aus Marburger Gymnasien
mitgestaltet
hatten, wurden die Namen der deportierten Marburger Juden verlesen und
für
jeden von ihnen eine Kerze entzündet.
Im Anschluß an den
Gottesdienst lud der Magistrat der Stadt Marburg in Zusammenarbeit mit
der
Gesellschaft für Christlich – Jüdische Zusammenarbeit zu einem Vortrag
mit anschließendem
Gespräch ein. Herr Dr. Hans Hermann Henrix, Direktor der Bischöflichen
Akademie
des Bistums Aachen, sprach zum Thema: „ Die Neuzeit und der Weg zur
Schoa. Die
Mitverantwortung von Christen und Kirche.“
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Februar
Am Montag, 7.Februar
2005 präsentierte der „Lesekreis“ eine Veranstaltung zum Thema: Jacques
Offenbach – der „Heine der Musik“
Referent war Professor
Hermann Hofer, Marburg der den 1819 in Köln geborenen Opernkomponisten
Jacques
Offenbach (Jakob Eberst, Sohn eines aus Offenbach am Main stammenden
jüdischen
Kantors) vorstellte.
Die Veranstaltung fand
in Kooperation mit der Deutsch–Französischen Gesellschaft Marburg
statt.
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März
Am 7. März hielt Herr
Rudolf W. Sirsch M. A., Generalsekretär des Deutschen
Koordinierungsrats, den Einführungsvortrag
anlässlich der diesjährigen Woche der Brüderlichkeit. Herr Sirsch
sprach zum
Thema: „ Gegen das Vergessen – Zur Aufarbeitung der Vergangenheit in
Schule und
Gesellschaft“. Sirsch betonte die Notwendigkeit herauszufinden, woraus
die Abneigung
und Ablehnung andersgläubiger Menschen resultiert. Nur so könne
deutlich
werden, warum die deutsche Bevölkerung nach 1945 immer noch Mühe habe,
die
Tragweite des Vergangenen und die eigene Verantwortung am Geschehenen
zu
erfassen. Auch ein großer Teil der Lehrer und Erzieher sei nicht über
alte
Ressentiments und den täglichen Antisemitismus hinweggekommen und habe
die
Schüler beeinflusst. Er betonte die Notwendigkeit eines neuen
Unterrichtsstils
angesichts der multikulturellen Zusammensetzung an unseren Schulen. Es
dürfe
nicht nur die Wissensvermittlung im Vordergrund stehen, sondern auch
der
verantwortungsvolle Umgang miteinander und das Erlernen von
Konfliktstrategien.
Herr Sirsch wies auf die von ihm entwickelte Tagungsreihe zum Thema „
Gegen
Gewalt und Rassismus – Für Zivilcourage bei Kindern und Jugendlichen“
hin. Die
mehr als 20 stattgefundenen Tagungen zu diesem Thema hätten Schülern
und
Lehrern die Möglichkeit gegeben, herauszufinden, wie ein Klima der
Akzeptanz
entstehen könne, in den Fremdenfeindlich-keit keine Chance habe.
Am Samstag, den 12.
März unternahm eine Gruppe von Mitgliedern eine Tagestour nach Speyer
in das
Historische Museum der Pfalz, um die Ausstellung „Europas Juden im
Mittelalter“
zu besuchen. Die Sonderausstellung wurde anlässlich der Weihe der
mittelalterlichen Synagoge von Speyer vor 900 Jahren präsentiert. Die
Ruine der
Synagoge mit ihrem erhaltenen Ritualbad (Mikwe) gehört zu den ältesten
jüdischen Baudenkmälern in Europa.
Auf einer Fläche von
rund 1000 Quadratmetern nahm die Ausstellung das mittelalterliche
Judentum in
seinen beiden Zentren am Rhein und auf der iberischen Halbinsel in den
Blick.
Die Reiseteilnehmer konnten sich an einer ausgezeichnet präsentierten,
äußerst
interessanten Ausstellung erfreuen. Wir wurden durch engagierte und
kompetente
Museumsführerinnen begleitet und bekamen ein breites Spektrum an
wertvollen und
seltenen Exponaten zu sehen, von denen einige noch nie ausgestellt
worden
waren. Mehr als 300 kostbare Objekte von über 80 Leihgebern aus Europa
und
Israel wurden wirkungsvoll in Szene gesetzt. So sahen wir unter anderem
reich
illustrierte hebräische Handschriften, bedeutende Kultgegen-stände oder
einzigartige Schatzfunde wie den Silberschatz aus Erfurt. Auf der
Grundlage
neuester Forschungsergebnisse wurde eine 3 D- Rekonstruktion der
mittelalterlichen Synagoge von Speyer präsentiert.
Nachdem sich jeder im
Museum noch ein wenig selbst umgesehen hatte, blieb
Zeit dem nebenan gelegenen Dom einen Besuch
abzustatten oder zu Mittag zu essen. Nach dem anregenden Ausflug nach
Speyer
kehrten wir zufrieden am Spätnachmittag wieder nach Marburg zurück.
An der Eröffnungsveranstaltung
der diesjährigen Woche der Brüderlichkeit in Erfurt konnte in
diesem Jahr
keiner der Vorstandsmitglieder teilnehmen.
Montag, 14. März und
Sonntag, 29. Mai 2005
veranstaltete der
„Lesekreis“ eine Lesung und Besichtigung mit Dr. Barbara Rumpf zum
Thema: „Die
Marburger Fragmente der mittelhochdeutschen Verslegende vom Leben der
Hl.
Elisabeth“. Die aus dem Anfang des 14. Jahrhundert stammende Legende
lässt die
ersten Monate Elisabeths in Marburg – nach Verlassen der Wartburg
–lebendig
werden.
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April
Am 6. April 2005 fand
die diesjährige Mitgliederversammlung statt. Erfreulicherweise hatten
sich
einige Mitglieder mehr eingefunden als im Jahr 2004. Trotzdem wären ein
paar
mehr schon wünschenswert gewesen. Vielleicht könnte man sich ja diesen
Termin
für das Jahr 2006 vornehmen.
Vom 14. – 16. April
2005 nahm eine größere Gruppe von Mitgliedern an der Reise der
Jüdischen
Gemeinde nach Amsterdam teil. Das Programm war interessant und
vielfältig.
Für den Tanzworkshop,
der von Frau Küpfer angeboten wurde, hatten
sich leider zu wenige Teilnehmer angemeldet, so dass sie die
Veranstaltung,
auch wegen eigener Erkrankung, ausfallen lassen mußte.
Wir fanden das sehr
schade, denn Frau Küpfer versteht es hervorragend, die Tänze zu
vermitteln und
Jung und Alt mitzureissen. Wir werden versuchen sie zu einem anderen
Zeitpunkt
noch einmal für diese Veranstaltung zu gewinnen.
Montag, 18. April 2005
Die April–Lesung
befasste sich mit Vladimir Kaminer: „Ich mache mir Sorgen, Mama“. Die
Kaminer–Expertin Frau Christiane Niemann stellte den neuesten Band des
Berliner
Bestseller–Autors vor.
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Mai
Am Montag, 9. Mai 2005
war das Thema des Lesekreises: „Leibniz und die Juden“. Der Referent,
Dr.
Hartmut Rudolph, Leiter der Leibniz–Edition der Berliner
Brandenburgischen
Akademie der Wissenschaften, hat den bislang kaum untersuchten Aspekt
nach dem
christlichen Antijudaismus auf traditioneller Linie allgemein, sowie
speziell
nach der Position von Gottfried Wilhelm Leibnitz (1646 – 1716) im
Hinblick auf
den expliziten Antijudaismus seiner Zeit ins allgemeine Interesse
gerückt.
Diese Lesung fand in Kooperation mit dem Fachbereich Evangelische
Theologie der
Philipps-Universität Marburg statt.
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Juni
Von 3.-4. Juni 2005
nahm unser Vorstandsmitglied und Leiterin des „Lesekreises“ Frau Dr.
Rosemarie Dilg- Frank an einer
Studientagung in Bonn teil. Das Wochenende stand unter dem Thema:
„Zukunft
braucht Erinnerung – 60 Jahre danach“ und beinhaltete eine Reihe
interessanter
Vorträge, Diskussionen und Workshops.
Unter folgenden Aspekten wurde diskutiert
z.B.:
Welche Formen der Erinnerung sind zukunftsweisend? Was ist
öffentliches, was
privates Gedenken? Wie ist die Erinnerung im gesellschaftlichen Wandel
zu
erhalten?
Ein herzliches
Dankeschön geht an dieser Stelle ausdrücklich an Frau Dr. Dilg, die
unsere
Gesellschaft auch in diesem Jahr in Bonn vertreten hat und rege den
„Lesekreis“
betreut.
Am Sonntag, den 5.6.05
stand ein Ausflug zum Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) in
Stadtallendorf auf dem Programm. Eine Gruppe interessierter Mitglieder
hatte
sich zusammengefunden, um dem Vortrag von Herrn Brinkmann – Frisch, dem
Leiter
des DIZ, zu folgen. Äußerst kompetent referierte er, unterstützt von
einer
interessant zusammengestellten Power – Point – Präsentation, über das
Schicksal der Menschen, die
in der Stadtallendorfer
Sprengstofffabrik Zwangsarbeit leisten mussten.
Wir sahen ein-drucksvolle
Fotographien,
Landkarten und erfuhren von Schicksalen
einzelner Zwangsarbeiter. Insgesamt war dies, nach einhelliger Meinung
aller
Teilnehmer, ein äußerst informativer und zum Nachdenken anregender
Nachmittag.
Die Juni-Lesung am
Montag, 6. Juni 2005 befasste sich mit der Publikation von Angelika
Schrobsdorff: „Wenn ich dich je vergesse, oh Jerusalem…“
Vom Spannungsfeld des
Lebens in der „kompliziertesten Stadt der Welt“ berichtet die Autorin
in ihrem
neuesten Jerusalemband in Form einer Liebeserklärung. Vorgetragen
wurden die
Auszüge von der Schauspielerin Charlotte von Sachsen aus Marburg. Die
Veranstaltung wurde durch die Freie Waldorf–Schule musikalisch umrahmt.
Diese
Veranstaltung wurde zusammen mit dem Arbeitskreis Landsynagoge Roth
durchgeführt und fand in der Landsynagoge in Roth statt.
Am Wochenende 18. /
19.Juni 2005 fand der erste einer ganzen Reihe geplanter Malworkshops
statt. Unter der Leitung des
flämischen
Künstlers Jan M. Dondeyne wurden die Malfreudigen angeleitet, den
`Farben des
Sommers` auf die Spur zu kommen. In anregender, entspannter Atmosphäre
arbeitete fast jeder nach mitgebrachten Vorlagen. Ein Teilnehmer, der
über
einige Übung verfügt, malte ein abstraktes Bild. Der Schulungsraum des
neuen
Kulturzentrums wurde mit dieser Veranstaltung das erste Mal in der
Öffentlichkeit bekannt gemacht. Die Räume erwiesen sich als ideal für
diesen
Zweck, jeder hatte ausreichend Platz. Der Workshop
war ein voller Erfolg, so dass der Wunsch nach baldiger Wiederholung
laut
wurde. Deshalb fand der nächste Kurs dieser Reihe auch schon wenige
Monate
später, am 1./.2. Oktober 2005 statt. Er stand unter dem Motto: „
Marburger
Ansichten“ Wir freuen uns, dass Herr Dondeyne sich bereit erklärt hat,
etwa
alle 4 Monate einen Kurs zu leiten.
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Juli
Am Montag, 4.Juli
2005, veranstaltete der „Lesekreis“ einen Vortrag zum Thema: „Biblische
Rechtfertigung der Apothekerkunst. Der Ärzte-Fries in Lemgo.“ Unter
Berufung
auf Jesus Sirach wird auf diesem Fries der Rats-Apotheke in Lemgo
(1612) die
Kunst des Apothekers bildlich gerechtfertigt.
Referent war Professor
Fritz Kraft, Weimar/Lahn, der zwei seiner Publikationen zum Thema
vorstellte.
Am Sonntag, 17. Juli
2005, lud der Lesekreis zu einem Stadtspaziergang auf jüdischen Spuren
in
Marburg. Von entsprechenden bildlichen Darstellungen in der
Elisabethkirche
ausgehend führte der Weg unter Leitung des bekannten Stadtführers und
Heimatforschers Dieter Woischke durch die Oberstadt.
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August
Am Sonntag, den
21.8,05 stand ein Ausflug nach Frankfurt auf dem Programm. Zunächst gab
es
einen Besuch in der Westendsynagoge mit sehr kompetenter und
liebenswürdiger
Führung von Herrn Horowitz durch die eindrucksvolle
Synagoge. Jede Frage wurde geduldig und freundlich beantwortet.
Danach fuhren wir zum
Jüdischen Museum und wurden dort von einem Führer durch die
interessante
Sammlung begleitet.
Zum Abschluss des
Tages kehrten wir in Sachsenhausen in einem typisch Frankfurter
Äppelwoilokal
ein und probierten lokale Spezialitäten.
Ein Auszug aus
der Rückmeldung eines Teilnehmers:
Lieber Herr Dorn!
Die Fahrt nach Frankfurt war eine lohnende Sache, für die Ihrer Frau
und Ihnen
ein herzlicher Dank gebührt…..Der Höhepunkt war natürlich die
engagierte
Einführung ins jüdische Leben durch den kleinen Herrn in der Synagoge.
Auch ihn
könnte man gut noch öfter erleben! Auch das Essen in Sachsenhausen war
eine
gute Sache, auch, dass man einigermaßen zeitig wieder nach Hause kam!...
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September
Eine Veranstaltung des
Lesekreises am Sonntag, 11. September 2005 befaßte sich mit dem Thema:
Das
blaue Haus oder „Die Farben des verlorenen Paradieses“. Roman –
Biographie zu
Marc Chagall von Barbara Krause. Der Vortrag wurde von der
Schauspielerin
Charlotte von Sachsen dargeboten und von Schülerinnen und Schülern der
Freien
Waldorfschule musikalisch umrahmt.
Die Veranstaltung fand
in Kooperation mit dem Freundes- und Förderkreis `Ehemalige Synagoge`
in Wetter
statt.
Am Montag, 26.
September 2005 fand eine weitere Veranstaltung des „Lesekreises“ statt.
Es
handelte sich um eine Autorenlesung und Autorengespräch mit Jan
Jakubowski,
Stuttgart statt zum Thema „Mein Überlebenskampf mit Beteiligung des
Himmels“
Am Dienstag, 27.
September 2005, sprach Herr Jakubowski vor Schülern der Elisabethschule
zum
Thema: „Mein Lebensbericht für die Nachkommen“
Hierzu liegt ein Kommentar
der Klasse 11e der Elisabethschule vor, der von Khadija Khalil verfasst
wurde:
„Ein
Blick zurück. Eigentlich begann dieser Tag wie jeder andere: Erst
Sprachkenntniserweiterung in Englisch, dann Polynomdiskussion in Mathe.
Nach
der großen Pause eine Doppelstunde in Deutsch. Alle warten. Doch die
Lehrerin
ist spät, sehr spät. Sie erscheint, nur mit einem Buch bei sich: ’Mein
Überlebenskampf mit Beteiligung des Himmels’ stand mit weißen
Buchstaben auf
dem grauen Umschlag. Eine neue Lektüre? Nein.
‚Die
Schulleitung hat einen ‚Zeitzeugen’ eingeladen. Ihr wisst, ein Zeuge
aus der
Zeit des Holocaust. Ich dachte, es wäre interessant für euch, diesen
Mann über
seine Erlebnisse zu befragen.’ Zustimmendes Gemurmel, aber sofort geht
ein
Raunen durch die Klasse, als das Wort ‚Holocaust’ fällt.
Holocaust
– Vernichtung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft und Religion.
Holocaust –
Eine Reise ins ‚Dritte Reich’.
Als
Jan Jakubowski mit seiner Frau und einer Begleitung endlich kam, war
die
Spannung, die sich unter den Schülern ausgebreitet hatte, beinahe
greifbar.
Melancholie empfing den alten, zerbrechlich wirkenden Herrn, als er
seine Worte
an uns richtete. Ist es gut, zurück zu schauen? Ist der Mann überhaupt
im
Stande, unsere Fragen zu beantworten? Jan Jakubowski beginnt aus seiner
Autobiografie ‚Mein Überlebenskampf’ vorzulesen. Er stellt zunächst
sich und
seine Familie, ihr soziales Umfeld und die politische Situation in
seinem
Heimatland Polen vor. Später berichtet er von Deportationen der Juden,
von der
Befreiung seiner Freundin und Erlebnissen im Arbeitslager. Dass er
fliehen
konnte ohne entdeckt zu werden, war ein Wunder. Dass er aus dem Zug,
der Juden
nach Auschwitz brachte, herausspringen konnte, ohne sich zu verletzen,
ein
Geschenk des Himmels. Er erzählt weiter von seinen Eindrücken,
Erlebnissen,
seinem Zweifel an der Menschheit und den Zeiten, als er nichts besaß
außer
seinem Glauben. Seinen Schülern ist es, als würden sie alles
miterleben, was
dieser Mann berichtet.
Es
klingelt. Fröhliches Gelächter dringt von draußen in die totenstille
Klasse.
Ein Vogel zwitschert am Fenster. Aber keiner bemerkt ihn. Alle starren
gebannt
nach vorne auf den Mann, der die Vergangenheit reflektiert wie ein
Spiegel. Die
Wahrheit ist erstickend wie Rauch. Jan Jakubowski schließt sein Buch;
zögernd,
beinahe vorsichtig stellen Schüler ihre Fragen. Er bleibt keinem eine
Antwort
schuldig. Aber wie hat er es geschafft, in Zeiten der Ermordung, der
Versklavung und der Ausbeutung, einen klaren Kopf zu behalten, seine
Ziele
nicht zu vergessen? ‚Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich? Und
wenn
ich für mich allein bin, was bin ich? Und wenn nicht jetzt, wann denn?’
Dieser
Spruch des Rabbi Hillel leitete ihn sein ganzes Leben und bewahrte ihn
davor,
in dem endlosen Tunnel der Hoffnungslosigkeit zu versinken.
Wir
alle haben die Thematik des Antijudaismus in der Schule analysiert.
Jedem
Schüler wurde die Vergangenheit offenbart, aber die Eindrücke, die uns
didaktisch beigebracht wurden, sind nichts im Vergleich zu denen, die
uns ein
Überlebender nahe brachte.“
Khadija Khalil, 11e
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Oktober
Am ersten Wochenende
im Oktober fand der 2. Malkurs unter der Leitung von Herrn Jan. M.
Dondeyne
statt. Unter dem Thema „Marburger Ansichten“ versuchte man, je nach
Kenntnisstand, unsere schöne Stadt darzustellen. Dabei entstanden
sehenswerte
Bilder. Der Kurs wird im Februar 2006 fortgesetzt.
Am Montag, 10.
Oktober, fand die Veranstaltung des Lesekreises für diesen Monat statt.
Thema
war: „Erzähltraditionen und Märchen der Sinti und Roma“.
Die Marburger
Historikerin und Kommunalpolitikerin Frau Dr. Marlis Sewerin–Wollanek
führte in
die kulturelle Tradition der Sinti und Roma ein. Die anschließende
Lesung hielt
Reinhold Lagrene, Heidelberg, der seit vielen Jahren die Märchen seines
Volkes
sammelt und bewahrt.
Am 20.10.2005 fand in
den Unterrichtsräumen des jüdischen Kulturzentrums eine sehr gut
besuchte
Veranstaltung zum Thema `Kopftuch – Schleier` statt. Evangelische und
katholische Ordensfrauen, sowie zwei muslimische Frauen, eine
Kopftuch-trägerin, die andere nicht, diskutierten miteinander. Dabei
sollte es
um die ganz persönliche Motivation jeder einzelnen Frau gehen und
weniger um
politisch – gesellschaftliche Gründe. Dass dies nur sehr schwer
auseinander
zuhalten ist, wurde im Lauf der Diskussion deutlich.
Die Veranstaltung
stieß auf äußerst großes Interesse. Mit über 60 Besuchern war der
Unterrichtsraum überfüllt und allgemein wurde eine Fortführung der
Thematik
unter Einschluß der politischen Dimension gewünscht.
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November
Am Montag, den 7.
November 2005 widmete sich der Lesekreis
der GCJZ in ihrer November-Lesung dem Autor Amos Oz.
Herr Altbischof Dr. Christian Zippert las
aus: „ Eine Geschichte aus Liebe und Finsternis“
Amos Oz, einer der
bedeutendsten Autoren der Gegenwart, schildert darin die Geschichte
seiner
Familie in den letzten 150 Jahren.
Diese Veranstaltung
fand in Kooperation mit philoSophia Hessen statt.
Am 9. November fanden
sich Mitglieder des Magistrats und der Oberbürgermeister Vaupel
Mitglieder der
Gesellschaft, sowie zahlreiche Marburger Bürger, zur alljährlichen
Gedenkfeier
der Progromnacht am Gedenkstein
in
der Universitätsstrasse zusammen. Im Anschluss daran gab es in der
Synagoge ein
eindrucksvolles Konzert der
Geschwister Levitan aus Israel. Die beiden hatten ein Programm mit
Werken
jüdischer Komponisten zusammengestellt und brachten Stücke von
Mendelssohn,
Bloch, Bruch, Partos, Kreisler u.a. professionell zum Vortrag. Die
Geschwister
wurden erst nach Zugaben vom begeisterten Publikum entlassen.
Ende November, vom 25.
– 26. November wurde das neue Jüdische Kulturzentrum mit Synagoge
feierlich
eingeweiht. Es waren sehr besondere Tage, die allen Beteiligten lange
im
Gedächtnis bleiben werden. Genauere Informationen haben Sie sicher aus
der
Presse bzw. dem Fernsehen bekommen. Verschiedene Mitglieder der
Gesellschaft
waren an allen drei Tagen der Eröffnungsfeierlichkeiten anwesend.
Die diesjährigen
Besuchertage wurden aus diesem Anlass auch auf dieses Datum gelegt. Es
hatten
sich ursprünglich fünf Gäste angemeldet, leider musste das Ehepaar
Brand aus
USA krankheitsbedingt absagen, so dass sich nur drei Personen an
unserem kurzen
Programm beteiligen konnten. Am Mittwoch, den 23.11.05, fand im Rathaus
der
Empfang des Oberbürgermeisters statt. Herr Vaupel begrüßte die wenigen
Gäste,
Herrn Goldschmitt aus Israel und Herrn King aus Brüssel, Frau Feibel
war leider
auch erkrankt. Daran im Anschlußss fand ein gemütliches Beisammensein
mit
Abendessen statt. Am Donnerstag Morgen bestand die Möglichkeit des
Friedhofbesuchs und am Nachmittag lud Frau Kümmel die Gäste zum Kaffee
ins Cafe
Klingelhöfer ein. Am Freitag Morgen fiel der geplante Ausflug auf
Einladung des
Landkreises den Witterungsverhältnissen zum Opfer. Wegen des starken
Schneefalls mit entsprechenden Strassenverhältnissen verzichteten wir
auf
diesen immer sehr beliebten und gut geplanten Ausflug. Am Nachmittag um
15.00
Uhr begannen dann die Feierlichkeiten zur Eröffnung des Hauses.
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Dezember
Am Montag, den 5.
12.05 gab es einen Vortrag von Herrn Dr. Klaus Dorn zum Thema. „
Jüdische
Bräuche – Christliche Feste“. Da nicht alle Aspekte zur Sprache
gebracht werden
konnten, baten die zahlreichen Teilnehmer um eine Fortsetzung in 2006.
Diese
wird im Juli stattfinden.
Am Montag, den
12.12.05 fand der erste einer Reihe von christlich – jüdischer
Bibelgespräche
statt. Herr Amnon Orbach und Herr Bischof em. Dr. Christian Zippert
sprachen zu
Jesaia 40,1 – 8. Viele Interessierte hatten sich eingefunden um sich
mit dem
Thema auseinanderzusetzen. Im Jahr 2006 wird die Reihe fortgesetzt.
Verschiedenes:
Ein
herzliches Dankeschön geht an Frau Gerda Geiß, die lange Jahre im
Vorstand unserer Gesellschaft gearbeitet hat. Sie feierte am 1.März
2005 ihren 90. Geburtstag und hat hierbei auf persönliche Geschenke
verzichtet und statt dessen um Geldspenden gebeten, unter anderem für
die Gesellschaft für Christliche – Zusammenarbeit. Wir bekamen 225,-
EURO überwiesen und bedanken uns ganz herzlich für diese noble Geste!
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Es gibt leider auch traurige Nachrichten zu
vermelden:
Im März 2005 verstarb
Frau Sophie King aus Brüssel. Die ehemalige Marburgerin, die vielen von
uns
bekannt sein dürfte, war treues Mitglied unserer Gesellschaft und nahm
jedes
Jahr, solange es in ihren Kräften stand, an unseren Besucherwochen
teil.
Manchmal kam sie mit ihrem Mann auch darüber hinaus noch nach Marburg.
Unser
Mitgefühl gilt ihrem Mann Geoffrey und ihrer Familie.
Wir werden sie gerne
in Erinnerung behalten.
Hinweis des
Deutschen Koordinierungsrats:
Zu den antiisraelischen Äußerungen des
iranischen
Präsidenten
Die erneut
gegen den Staat Israel gerichteten, mit typisch
antisemitischen Ausfällen versehenen Äußerungen des iranischen
Präsidenten
Mahmud Ahmadinedschad sind mehr als rhetorische Entgleisungen, sie sind
Ausdruck einer abgründig feindseligen Haltung gegenüber dem Staat
Israel und
dem jüdischen Volk und lassen für die Zukunft das Schlimmste
befürchten. Die
dagegen von der Bundesregierung erhobenen Proteste können, so nötig und
begrüßenswert sie sind – nur ein erster Schritt sein. Ihnen müssen
tatkräftige
Gegenmaßnahmen folgen.
Präsidium und
Vorstand des Deutschen Koordinierungsrates der
Gesellschaften für christlich – jüdische Zusammenarbeit (DKR)
Bad Nauheim,
9.Dezember 2005
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